CYCLOP Soundbalance – Sachbericht

Es war oft anstrengend, aber Durchhalten hat sich für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geloht: Sie haben gern mitgemacht.

Durch die erfolgreichen Vorgängerworkshops hatte sich schon herumgesprochen, dass die Workshops neben dem Erlernen der einen oder anderen Fertigkeit eine Menge Spaß bringen. Kurz vor dem Start der Workshopreihe mussten wir zwei Umbesetzungen vornehmen. Unser Bodypercussionist + Beatboxer hatte ein längerfristiges (und ziemlich gut bezahltes) Engagement bekommen. Er wurde durch einen reinen Beatboxer ersetzt. Für den zweiten Breakdancer kam ein Filmer ins Team, da viele der interessierten Jugendlichen gern in die Film- und Kameratechnik, Schnitt und alles, was damit zusammenhängt, reinschnuppern wollten.

Die TeilnehmerInnen

Leider waren nur ein paar der Jugendlichen aus den vorigen Workshops dabei, doch entwickelten sich die einzelnen Gruppen auch so ganz gut. Wie zu erwarten, war der die Spanne der Fertig- und Fähigkeiten sehr groß. Zu den ausgeglichensten“ Workshops zählten der Video- und der Tanzworkshop, die beide auch relativ homogen durch einen Kern von schon lange befreundeten TeilnehmerInnen waren.

Video

Die Videogruppe war mit sechs Jugendlichen am Rand ihrer Kapazität zumindest mit nur einem Coach und begrenzter Ausrüstung. Nach einer Einführung in die Technik der Kameras, deren Funktion, Bedienung, folgten Fragen und Möglichkeiten der Bildgestaltung. Dazu immer mal wieder ein wenig Filmtheorie und die Bedeutung des Teamworks beim Filmen. Weitere (nicht nur) technische Hinweise zu Licht, Ton, Schnitt und Schnittprogrammen kamen dann vor allem im Zusammenspiel mit der praktischen Übung an den Geräten dazu. Die TeilnehmerInnen nahmen sich ein Thema vor, entwarfen kurze Skripte oder filmten „spontan“ drauf los, um verschiedene Einstellungen, Effekte oder Schnitttechniken auszuprobieren. Die Ergebnisse waren alle nur für den internen Gebrauch bestimmt.

Tanz

Die Tanzgruppe war am schnellsten gefüllt, was daran lag, dass fünf befreundete Mädchen zusammen kamen. Drei brachten schon ausgedehntere Erfahrungen mit und rissen die anderen mit. Nach Dehn- und Streckübungen, Ausführungen zu unterschiedlichen Street-Art Tänzen wie Street-, Break- oder Hip Hop Dance; dem Üben unterschiedlicher Moves und Styles, arbeiteten die jungen Tänzerinnen an verschiedenen ausgedehnten Choreographien, womit sie selbst ihren Trainer vor sich her trieben.

Percussion

Der Percussion-Workshop war für einige der TeilnehmerInnen der niedrigschwellige Einstieg in die Welt der (selbstausgeübten) Musik. Die Koordination der Wünsche und der Hände mit den Trommeln war vor allem zu Anfang nicht ganz einfach: verkrampfte Finger, verpasste Einsätze, sogar Blasen an Händen. Aber das konnte niemanden abhalten, tiefer in die Materie einzusteigen und sich mit Takt, Rhythmus, Synkopen usw. zu beschäftigen. Dazu konnten die Teilnehmerinnen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Trommelvariationen in verschiedenen Regionen Afrikas oder Südamerikas mit ihren eigenen Händen erkunden (auch wenn es nicht immer wirklich authentisch klang).

Beatbox

Beatbox als eines der fünf Elemente des Hip Hop erfreut sich zunehmender Beliebtheit vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass jeder alle möglichen Geräusche produzieren kann. Um es allerdings so weit zu bringen, dass sich diese Geräusche auch nach Musik anhören, muss man schon ein wenig üben. Das wurde in diesem Workshop (wie in allen anderen) auch ausgiebig getan. Doch Beatbox klingt einfacher und sieht auch so aus, als es wirklich ist. Es bedarf schon gehöriger Übung, um seine Sounds in Beats zu verwandeln, auf diese dann noch eine Melodie zu legen und das mit verschiedenen Geschwindigkeitsvariationen in relativ kurzer Zeit. Auch waren die Unterschiede in der Gruppe relativ hoch. Zwei der Teilnehmer beschäftigten sich schon lange mit Beatboxen und waren sehr weit fortgeschritten, während die anderen eher im Anfängerstadium waren.

Performance

Die TeilnehmerInnen der Performancegruppe waren sehr motiviert und sprudelten vor Ideen. Manchmal beinahe zu viel. In relativ kurzer Zeit wurden Themen besprochen, Szenen und Aktionen entworfen und angespielt, von denen einige dann ein oder zwei Wochen später nichts mehr wissen wollten. Es war in dieser Gruppe nicht immer einfach, die Balance zu finden zwischen übermotiviertem Hin- und Herspringen, nachschulischem Stress und dem Versuch, sehenswerte Ergebnisse zu erzielen. Alle kamen immer wieder und regelmäßig, doch waren sie weniger an aufführenswerten Ergebnissen interessiert, als an der guten Gruppendynamik und daran, in Impros und Übungen, die eine oder andere Selbsterkenntnis zu erfahren, einfach ein bisschen in vertrauter Umgebung zu spielen und dadurch ein wenig Dampf abzulassen. Einfache Sprech- und Schauspielübungen wurden spielerisch in die Proben an den Szenen eingeflochten.

Interaktion

Die Interaktion der verschiedenen Gruppen gestaltete sich durch das zum Teil sehr unterschiedliche Niveau der TeilnehmerInnen schwieriger als vermutet. So konnten beispielsweise eigentlich nur zwei der Beatboxer und ein Percussionist die Tänzerinnen begleiten, da die anderen bei der Geschwindigkeit oft nicht mitkamen, den Rhythmus verloren oder ähnliches. Wir werden dies in den kommenden Monaten versuchen weiter zu verbessern. Die Workshops werden weitergeführt und bis zum Frühsommer in seh- und hörbaren Ergebnissen und einer sehenswerten Show münden.

Fazit

In einem wöchentlichen Workshoprhythmus ist es für die Jugendlichen nicht einfach, allzu große Fortschritte zu erzielen, da im Laufe einer Woche meist derart viel in der Schule passiert, dass sie vieles bis zum nächsten WS Termin wieder vergessen haben. Vor allem seit flächendeckend Ganztagsunterricht eingeführt worden ist, gestaltet sich die Jugendkulturarbeit im Freizeitbereich immer schwerer. Auch wenn sie vielleicht jetzt noch notwendiger ist als früher, als quasi selbstbestimmter Ausgleich zu allerlei verschulten Formen des künstlerischen Ein- und Ausdrucks.

 

 

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